Bundestagswahl

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Das Reichstagsgebäude ist der Sitz des Parlaments.

Die Bundestagswahl ist die wichtigste Wahl in Deutschland. Sie findet alle vier Jahre im Herbst statt. Die deutschen Wähler entscheiden dabei, welche Politiker und Parteien im Parlament, dem Bundestag in Berlin, vertreten sein sollen. Der neu gewählte Bundestag bestimmt dann wiederum den Bundeskanzler.

Die Parteien stellen aber schon im Vorfeld einen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers vor. Meistens ist dies der Parteipräsident. Man weiß also schon im Voraus, wer Bundeskanzler wird, wenn die eine oder die andere Partei am meisten Stimmen gewinnt. Im Wahlkampf spielen diese Kandidaten auch eine wichtige Rolle. Sie sind so etwas wie die „Zugpferde“ oder die „Aushängeschilder“ für die Parlamentswahl.

Es gibt Unternehmen, die Umfragen machen. Von Zeit zu Zeit fragt so ein Unternehmen einige Bürger, welche Partei sie wahrscheinlich wählen werden. Durch Umfragen weiß man schon vor der Wahl ein wenig, welche Parteien gute Chancen haben.

Wie funktioniert die Wahl?

So sehen die Wahlzettel aus, mit der man seine zwei Stimmen abgibt. Dieser ist für den Wahlkreis Bottrop-Recklinghausen im Ruhrgebiet.

Wer mindestens 18 Jahre alt ist und eine deutsche Staatsbürgerschaft hat, darf an der Wahl teilnehmen. Wen man wählt, ist geheim. Gewählt wird entweder per Brief oder im Wahllokal.

Jeder Wähler darf zwei Stimmen abgeben. Mit der ersten Stimme wählt er einen Politiker aus dem Wahlkreis, in dem er wohnt. In Deutschland gibt es 299 Wahlkreise. Sie sind so aufgeteilt, dass jeder Wahlkreis etwa gleich viele Einwohner hat. Der Politiker, der in einem Wahlkreis am meisten Stimmen erhält, kommt direkt in den Bundestag. Man spricht von einem „Direktmandat“.

Mit der zweiten Stimme wählt der Wähler eine Partei. Für jede Partei wird ausgerechnet, wie viele Prozent der Stimmen sie erhalten hat. Anhand von diesem Prozentsatz wird bestimmt, wie viele Sitze jede Partei im Bundestag bekommt. Manche Parteien haben einige dieser Sitze schon erhalten, nämlich die Direktmandate. Hat sie außerdem noch Recht auf Sitze, dann schaut man auf die Landesliste. Das ist eine Reihenfolge mit Poltikern, welche die Partei zuvor zusammengestellt hat. Daher ist die Zweitstimme viel wichtiger als der Erststimme, denn sie bestimmt, wie viele Sitze eine Partei insgesamt bekommt.

Allerdings bekommt nicht jede Partei, die Stimmen erhält, einen Sitz im Bundestag. Dafür muss sie mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen haben. Man spricht deshalb auch von der „Fünf-Prozent-Hürde“ oder der „Fünf-Prozent-Klausel“.

Damit eine Partei den Bundeskanzler wählen kann, muss sie mehr als die Hälfte der Sitze im Bundestag haben. Weil das sehr selten vorkommt, gehen die Parteien Bündnisse ein, sogenannte Koalitionen, um gemeinsam eine Mehrheit zu haben. Die Parteien einer Koalition handeln einen Koalitionsvertrag aus, in dem sie sich darüber einigen, wie sie Deutschland gemeinsam regieren wollen. Erst danach wählen die Politiker im Bundestag den Bundeskanzler. Der Kanzler kommt normalerweise aus der Koalitionspartei, die am meisten Sitze hat.

Wer steht im Jahr 2021 als Bundeskanzler zur Wahl?

Schon kurz nach der Wahl wünschte sich eine Mehrheit der Bürger Olaf Scholz von der SPD als neuen Bundeskanzler.

Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte nach 16 Jahren aufhören. Sie hat dies schon im Jahr 2018 angekündigt. Ihre Partei, die Christlich Demokratische Union, also die CDU, möchte, dass Armin Laschet der neue Kanzler wird. Laschet kommt aus Aachen. Er ist der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und seit Januar 2021 der Parteivorsitzende der CDU.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die SPD, schickt Olaf Scholz ins Rennen um die Kanzlerschaft. Scholz kommt aus Osnabrück in Niedersachsen. Er ist zurzeit der Finanz-Minister in der Regierung von Merkel. Zuvor war er Bürgermeister von Hamburg. Scholz gilt als gemäßigter Sozialdemokrat, der Deutschland nur behutsam verändern will.

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hatte bisher keinen Kanzlerkandidaten. Im Jahr 2017 wurde sie die kleinste Partei im Bundestag. Doch im Jahr 2021 haben Umfragen gezeigt, dass ziemlich viele Leute sie gut finden. Darum hat auch diese Partei diesmal eine Kanzlerkandidatin. Das ist Annalena Baerbock, die in Hannover geboren wurde. Baerbock ist eine der beiden Vorsitzenden der Grünen. Wenn sie gewinnt, wäre sie mit 41 Jahren die jüngste Kanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik.

Drei weitere Parteien haben ebenfalls einen oder zwei Spitzenkandidaten, die im ganzen Land unterwegs sind und um Wählerstimmen werben: die Alternative für Deutschland, die Freie Demokratische Partei und Die Linke. Insgesamt können 53 Parteien an der Bundestagswahl teilnehmen. Die meisten haben so gut wie keine Chance, in den Bundestag gewählt zu werden.

Wer gewann die Wahlen im Jahr 2021?

Mit einer Ampel-Koalition meint man, dass die Parteien mit den Farben Grün, Gelb und Rot zusammenarbeiten und gemeinsam die Regierung bilden wollen. Gemeint sind damit Grüne, FDP und SPD. Bereits kurz nach der Wahl wünschte sich eine Mehrheit der Bürger eine solche Koalition.

Am meisten Sitze hat die SPD gewonnen, knapp vor der CDU/CSU. Dann folgen mit einigem Abstand die Grünen, dann wieder mit etwas Abstand die FDP, knapp dahinter die AfD. Dann folgt wieder mit etwas größerem Abstand die Linke.

Keine Partei hat mehr als die Hälfte der Sitze erobert. Das würde man die „absolute Mehrheit“ nennen. Es müssen sich also mehrere Parteien zusammenschließen, um über die Hälfte zu kommen. Einen solchen Zusammenschluss nennt man eine Koalition. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Die einzige mögliche Zweier-Koalition würde aus SPD und CDU/CSU bestehen, denn nur sie beide kommen zusammen auf mehr als die Hälfte der Sitze. So war die Regierung bis anhin. Schon kurz nach der Wahl dachte aber kaum mehr jemand, dass es so kommen würde.

Für Dreier-Koalitionen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man benennt sie nach den Farben der beteiligten Parteien und sucht dafür ein bekanntes Bild. Möglich wären:

  • Eine Ampel-Koalition aus Grün, Gelb und Rot, also Grünen, FDP und SPD
  • Eine Jamaika-Koalition aus Schwarz, Gelb und Grün, also CDU/CSU, FDP und Grünen
  • Eine Dreier-Koalition wäre auch mit der AfD möglich. Aber aus politischen Gründen will keine Partei mit der AfD koalieren. Sie steht ihnen zu weit rechts und könnte die anderen Vertragsparteien in ein schlechtes Licht rücken.
  • Früher dachte man auch an eine Dreier-Koalition mit der Linken. Aber sie hat zu wenige Sitze erobert, um zwei anderen Parteien zu einer Mehrheit im Bundestag zu verhelfen.

So lange es keine Koalition gibt, ist auch der zukünftige Bundeskanzler nicht bekannt. Alle hoffen, bis Weihnachten einen Vertrag vorlegen und somit die Regierung bilden zu können. Wichtig wird wiederum die FDP sein: Sie hat sich nach den letzten Wahlen aus den Koalitionsverhandlungen zurückgezogen. Das will sie aber diesmal nicht mehr tun und sich an der Regierung beteiligen. Ihr Präsident Christian Lindner will sogar einen wichtigen Posten in der neuen Regierung bekommen.

Die ersten Verhandlungen fanden dann auch zwischen der FDP und den Grünen statt. Bei ihnen führen zwei Personen das Präsidium gemeinsam: Annalena Baerbock und Robert Habeck. Beide wollen ebenfalls in der neuen Regierung mit dabei sein. Am liebsten wäre den beiden Parteien eine Koalition mit der SPD, also eine Ampel-Koalition. Aber sie wollen auch mit der CDU verhandeln. Dies ergäbe dann eine Jamaika-Koalition.



Zu „Bundestagswahl“ gibt es auch einen Artikel für Lese-Anfänger auf MiniKlexikon.de und weitere Such-Ergebnisse von Blinde Kuh und Frag Finn.

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